Aktuelle Beobachtungen belegen die Aktivität von mindestens einem Biber im Schwerter Ruhrtal. In Schwerte selbst war uns bislang vor allem der Totfund eines einzelnen verwesten Tiers Anfang Oktober 2019 gegenüber dem Wellenbad Geisecke bekannt (vgl. → Jahresbericht Biologische Station Kreis Unna/Dortmund- Neues vom Biber und Fischotter 2020 , Seite 5). Umso erfreulicher sind die Nachweise frischer Fraßspuren. Im Rahmen unserer Erfassung dokumentierten wir die schrittweise Bearbeitung und Fällung eines Ufergehölzes fotografisch sowie anhand direkter und indirekter Spuren. Die exakten Fundortdaten wurden der Biologischen Station Unna/Dortmund übermittelt.
Es bleibt offen, ob die Aktivität auf einen durchziehenden Einzelbiber, eine vorübergehende Nutzung oder den Beginn einer Ansiedlung zurückgeht. Bei einer Nachkontrolle war das zuvor dokumentierte Stammmaterial am Fraßplatz verschwunden; eine Verlagerung durch den Biber erscheint plausibel. Der konkrete Verwendungszweck – etwa als Nahrungsdepot, Transport in geschützte Bereiche oder Baumaterial – lässt sich jedoch nicht feststellen.
Nach der dokumentierten Fraßaktivität folgte im unmittelbaren Nahbereich eine mehrtägige Pause. Auf dieser Grundlage wird in der Praxis nicht selten angenommen, dass das Tier weitergezogen ist. Dies kann jedoch auf einen Wechsel zu anderen Fraßplätzen im Aktionsraum, energetische Ressourcenschonung oder ein Durchziehen hindeuten, die genaue Ursache bleibt offen. Die Befunde unterstreichen den Wert fortlaufender Kontrollen im Ruhrtal. Aufschlussreich wären künftig weitere Fraßplätze, Wechselspuren, Materialtransporte, Duftmarken sowie Bau- oder Depotstrukturen.
Methodik und Spurenbild
Zur Zuordnung der Aktivität dienten charakteristische Nagespuren. Um Störungen sowie zusätzliche Geruchs- und Trittspuren im sensiblen Uferbereich – der im Umfeld ohnehin regelmäßig durch Publikumsverkehr genutzt wird – zu vermeiden, erfolgte die fotografische Erfassung mittels Teleobjektiv aus geschützter Distanz. Dokumentiert wurden partielle Entrindungen, frische Nagekanten, Holzspäne sowie eine sanduhrförmige Fällkerbe. Über Frischemerkmale wie den Verfärbungsgrad des Holzes, die Spanfeuchte und die Schärfe der Nagekanten erfolgte eine relative zeitliche Zuordnung. Zudem stellten wir eine ausgeprägte Wechselspur fest. Ein solches Wegenetz erleichtert dem Biber den Zugang zwischen Gewässer und Fraßplatz und ermöglicht bei Störungen ein rasches Abtauchen.


(1) (Ältere Fraßspur / Baumkappung): Der gekappte Stumpf wurde bei der Kontrolle am 09.09. festgestellt. Das Holz hat sich durch die mehrstündige Einwirkung von Luft und Licht kräftig orange-braun verfärbt. Das zuvor eingeknickte Kronenmaterial war bei der Nachkontrolle am Fraßplatz nicht mehr auffindbar.
(2) (Neue Fraßspur / Partielle Entrindung): Eine frische, langgestreckte Fraßspur bei der Kontrolle am 10.09. Das Holz ist noch nicht nachgedunkelt, faserig und gelblich-weiß. Im Gegensatz zur vollständigen Kappung bei (1) wurde dieser Stammabschnitt zunächst nur längsseitig entrindet. Dieses Vorgehen ist damit vereinbar, dass das Tier vor allem Rinden- und Bastanteile nutzte. Eine partielle Entrindung kann einer späteren weitergehenden Bearbeitung oder Fällung vorausgehen, führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer vollständigen Fällung.











































































