Seit mehr als zwei Jahren waren in diesem Jahr wieder drei junge Waldohreulen in Bönen zu sehen. Aus der Beobachterperspektive ist dies eine Erfolgsgeschichte: Auf meinem ersten Beobachtungsgang am 04. März diesen Jahres war ein Männchen zu hören, fünf Tage später ließen sich Männchen und Weibchen hören und zeigten sich im Abendflug, am 15. März war erneut nur das Männchen zu hören, ebenso auf einem weiteren Beobachtungsgang am 12. Mai. Dennoch war noch immer unklar, ob eine erfolgreiche Brut eingesetzt hatte, zumal es in den Vorjahren ähnliche Beobachtungen gab, die jedoch nicht in den ultimativen Brutnachweis mündeten: Junge Waldohreulen.
Am 19. Mai zeigte sich dann überraschenderweise ein Altvogel offen in unmittelbarer Nähe des vermuteten Brutbaumes (vgl. meine Meldung vom selbigen Tag). Am 22.05.26 gelang dann die erste Sichtung der drei Jungvögel gemeinsam mit einem Altvogel (vgl. die Meldung von H. Peitsch). Weitere Beobachtungen am 27. Mai und am am 01. Juni und am 06. Juni (erneut auf erster Sitzwarte). Am 04. Juni hatten die drei Jungeulen ihre ungefähr einwöchige Sitzwarte verlassen und waren auch in der Nähe nicht aufzufinden. Das lässt annehmen, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits flügge waren.
Jungeulen verlassen mitunter schon im Alter von drei Wochen ihre Nistmulde und klettern – wie auch in diesem Fall – in nestnahe Baumkronen. Dort verbleiben sie in möglichst wenig einsehbarem Geäst. Junge Waldohreulen sind geschickte Kletterer, die zum Klettern Krallen, Schnabel und Flügel einsetzen. Das Kletterverhalten der Jungeulen (Ästlingsphase) soll vermutlich zum einen die Gefahr durch Beutegreifer verringern, und zum anderen auch der Absturzgefahr aus möglicherweise bruchgefährdeten bzw. zu klein gewordenen Übernahmehorsten (z.B. Krähen) vorbeugen (vgl. W. Scherzinger, Das Kletterverhalten heimischer Jungeulen…. In: Vogelkundl-iche Berichte Niedersachsens 40, S. 117-125, 2008). Anschließend gelingt die Selbstversorgung relativ schnell, schaffen es die Jungeulen doch bereits im Alter von zehn Wochen selbständig Mäuse zu erjagen. Die Elternvögel füttern ihren Nachwuchs wohl bis mindestens zur 11. Lebenswoche.
Dennoch ein trauriger Ausblick: Von den Jungeulen eines Jahres übersteht wohl nur jede zweite ihr erstes Lebensjahr. Die Lebensperspektive der Überlebenden sieht besser aus und lässt sich aufgrund von Beringungsfunden in freier Natur auf ein Höchstalter von 28 Jahren festlegen.
Selbstständig gewordene Jungvögel müssen sich neue geeignete Lebensräume suchen. Dafür können sie durchaus Flugstrecken von bis zu 2000 Kilometer zurücklegen (vgl. Wikipedia). Typischer ist aber eine Wiederansiedlung in einem Radius von 50 bis 100 Kilometern um den Horst. Wünschen wir den drei jungen Waldohreulen aus Bönen, dass sie nicht nur ein gutes Alter erreichen, sondern in nicht so weiter Ferne ein eigenes Revier finden. Der Anfang ist gemacht (vgl. die Meldung von H. Peitsch vom 06.06.26).


































































































